"Of Harlots, Penitents, Ghosts and Kings -  Biblical narrative in the music from 17th-century England

Von Huren, reuigen Sündern, Geistern und Königen

Übersetzung aus dem Englischen von Wolfgang Schult

Es gibt 1000 Jahre biblischer Erzählung in der Musik eine Tradition, die weit jenseits des Vorstellbaren liegt, aber doch wenig erkundet wurde. Liegt das an unserem weltlichen Zeitalter und dem großen Glaubensverlust? 
Wenn ja, dann fehlen uns doch einige Freuden, denn dieses Repertoire möchte an die biblische Geschichte appellieren, will aber vorrangig unterhalten (trotz einer vielleicht paranoiden Kirche, die immer nur lehren will oder ihre Seelen im ,,Schlepptau halten möchte). 
Ein Großteil dieser Musik wurde jedoch von Komponisten geschaffen nicht nur für priesterliches oder gottesdienstliches Handeln, sondern, um den direkten Zugang zur göttlichen Inspiration durch den Akt der künstlerischen Darstellung möglich zu machen. 
Daher der Griff zu theatralischen Mitteln und Stilen einer Präsentation, die eng verbunden sind mit eher ungöttlichen oder heidnischen Ritualen: Tanzen in den Kreuzgängen, weltliche Instrumente in den Kirchen, Wechsel der Gewänder am Altar - solche Aktionen sollten zeigen, dass die alten biblischen Geschichten das wahre Leben schilderten, echte Gefühle, wahre Angst vor einem ,,ärgerlichen" Gott, der aus einer Laune heraus mit Feuer, Hungersnot oder Plage strafen könnte. 

Wir kennen Händels "Messiah" und Elgars "Dream of Gerontius", aber wir kennen nicht die sanfie Erotik von Boyces "Solomon". Für den Rest unserer großen erzählerischen Oratoriumtradition bleiben wir meistens blind, obwohl sie sehr reichhaltig ist. Die Macht der Unterdrückung durch den restriktiven Sittenkodex des Viktorianischen Zeitalters ließ unsere Kenntnisse von den Aufführungstraditionen biblisch erzählender Musik verkümmern.
Gibt es etwas, von diesen bigotten Wütereien einer Tradition aus dem 17. Jahrhundert, aus einem England, dass durch religiöse Fehden und Bilderstürmerei gespalten war, das in unsere Zeit zu retten wäre? Wir kennen die restaurativen Beiträge des großen Henry Purcell - "Saul and the witch of Endor" oder "The blessed virgin's Expostulation" (welche regelmäßig wegen ihrer theatralischen Art und ihres geistlichen Inhalts bei Sopranprüfungen benutzt werden). Aber kommen diese Meisterstücke von Purcell aus einer Leere, einem Vakuum, oder waren sie auch Teil einer vergessenen Tradition? 
Purcell, in dieser Arena wie auch in anderen, baute auf das Werk von vergangenen Generationen, zurückgehend auf Tage vor dem Bürgerkrieg und den esoterischen Hof von Charles 1.. Die Atmosphäre kam einem geistvollen Rausch gleich, wo der nominelle protestantische König sich bei künstlerischen Ritualen in seiner Privatkapelle amüsierte, die die Grenze zwischen den rivalisierenden Dogmen verwischten.

Dieses Programm erkundet die englischen Vorläufer von Purcells geistlichen Dramen, beginnend mit der frühesten Vertonung von ,,Saul and the witch of Endor" von Robert Ramsey. 

Purcells Werk, 50 Jahre später, enthüllt ein genaues Wissen um die Vertonung Ramseys, dessen steifer Rezitativstil eine starke raue Qualität aufzeigt. Dieser Stil ist übergegangen, auch mit musikalischen Überresten aus der Tudor-Zeit, zu den weltlichen Madrigalen. Der Sologesang wurde von anderen Komponisten weitergeführt. Die scheinbar einfachen Werke sind in Wahrheit recht anspruchsvoll. 
Ramsey war Organist am Trinity College, Cambridge, einem Ort von beträchtlichen Ansprüchen. Am selben College arbeitete John Hilton. Weitere Beiträge zu diesem Genre lieferte insbesondere John Wilson an der Universität Oxford
Walter Porter, der einzige bekannte englische Komponist, der bei Claudio Monteverdi in Italien studiert hat, verdient größte Beachtung, denn sein blumiger Stil zeigt die Verbindung vom Italienischen und Englischen. 
Der jüngere Purcell, David, leidet darunter, im Schatten seines Bruders zu stehen, kann aber mit "0 miserable man" durchaus einem Vergleich standhalten.


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